Wundmanager Klaus Bandl im Interview
Sie brauchen Mut und Geduld. Und bitte keine Angst vor Fehlern!
Klaus Bandl
Ich bin ausgebildeter DGKP und war auf der Intensivstation. Dort hatten wir unter anderem Standards, nach denen wir Wunden tagtäglich versorgt und verbunden haben - unabhängig von der Art der Wunde, unabhängig vom Patienten, dessen Vorerkrankung und unabhängig von der Wundheilung. Ich bin von Natur aus ein neugieriger Mensch und begann das zu hinterfragen: Warum mach ich das, wenn sich nichts ändert? Sind all diese Schritte täglich notwendig? Funktioniert es vielleicht anders besser?
Nach und nach begann ich mich zu informieren, hab Vorträge besucht, Zusatzausbildungen absolviert und mit zuständigen Ärzten gemeinsam neu Erlerntes ausprobiert. Ich war auch viele Jahre in der Hauskrankenpflege tätig - dort konnte ich mit PatientInnen gemeinsam viele unterschiedliche Erfahrungen sammeln. Ich sehe es als persönliche Herausforderung, individuelle Maßnahmen zu finden, die helfen.
Absolut. Das Ziel ist immer, auf den einzelnen Patienten einzugehen und die persönlichen Beschwerden zu verbessern oder zu lösen. Das ist abhängig vom einzelnen Bedarf: Schmerzen, Geruch, Exsudation – darauf muss die Therapie abgestimmt werden.
Was sind typische „Fehler“ die passieren können?
Sofort fallen mir da folgende Dinge ein: Salben und Cremes in Wunden, fehlende Einschätzung der aktuellen Wundphase, fixe ritualisierte Verbandwechsel-Intervalle (zB: MO, MI, FR) ohne die vorliegende Wunde zu berücksichtigen. Oft fehlt auch das nötige Materialwissen. Es gibt tolle moderne Produkte, die einfach in der Anwendung sind und Sie hervorragend unterstützen können! Besonders wichtig: Haben Sie bitte keine Angst vor Fehlern.
"Zur Wundpflege gehört Mut und Geduld: Wenn Sie merken, dass es schlechter wird – dann haben Sie bitte den Mut, die Therapie zu ändern und etwas Anderes zu probieren."
Ist die Angst was falsch zu machen nicht ganz natürlich?
Keiner ist perfekt – wichtig ist, dass man daraus lernt. Holen Sie sich Unterstützung von Ihrem Arzt. Er oder sie ist erster Ansprechpartner, wenn es um Diagnose, Therapie und Begleitmaßnahmen geht. Ich als Wundmanager arbeite dann oft über mehrere Wochen mit Pflegeheimen zusammen.
Wie genau läuft diese Zusammenarbeit?
Grundsätzlich geht es dabei immer um konkrete Wunden. Diese versorge ich fachgerecht und zeige das dabei auch den MitarbeiterInnen und unterstütze das Team mit Tipps fürs weitere Vorgehen. Mit dem Know-how und den richtigen Produkten schaffen Sie das!
Welche Tipps und Tricks möchten Sie uns hier noch mitgeben?
Zur Wundpflege gehört Mut und Geduld: Wenn Sie merken, dass es schlechter wird – dann haben Sie bitte den Mut, die Therapie zu ändern und etwas Anderes zu probieren. Solange es nicht schlechter wird, brauchen Sie aber auch eine gehörige Portion Geduld – vor allem bei chronischen Wunden. Ich sag immer “Geben Sie dem Verband eine Chance”. Und wenn Sie merken, dass es besser wird – dann bleiben Sie dabei.