WUNDFORUM 2/2023

these und stimulieren Antikörperbildung und Infektabwehr. ½ Antioxidantien wie Vitamin E, Vitamin C und Spurenelemente wie Zink und Selen fangen die für Epithelzellen toxischen „freien Radikale“ ab. ½ Vitamin A entfaltet seine Wirkung bei der Kollagensynthese, bei der bei Epithelisation und in der Kollagenfaservernetzung. ½ Vitamin C ist ebenfalls von Wichtigkeit bei der Synthese von Kollagen, aber auch von Interzellulärsubstanz, Gefäßbasalmembranen, Komplementfaktoren und Gammaglobulinen und damit zur Stärkung der Abwehrkräfte. Bei Malnutrition stellt sich daher die Frage, ob einzelne Vitamine im Serum kontrolliert werden sollten. Welches Vorgehen dabei zu wählen ist, ist jeweils von der Situation – zu Hause, im Krankenhaus oder in der Arztpraxis – abhängig. Zink- und Eisenmangel vorbeugen Zink ist ein zentraler Bestandteil von zahlreichen Metalloenzymen mit signifikanten biologischen Effekten im Organismus und spielt damit eine entscheidende Rolle bei der Wundheilung. Mit steigendem Alter, besonders bei kranken Menschen in Institutionen, werden jedoch häufig tiefe Plasmazinkwerte beobachtet. Alle Patienten mit einem Dekubitus Grad II und IV leiden an Zink- und Albuminmangel, sodass eine normale Wundheilung nicht zu erwarten ist. Eine präoperative, parenterale Zinksubstitution mit 30 mg pro Tag für drei Tage verhindert den üblichen postoperativen Zinkabfall im Plasma und verbessert so die Heilung von Operationswunden und Verbrennungsulzera. Nutritiver Eisenmangel mit konsekutiver Anämie ist im Alter häufig. Eisenmangel verursacht eine Anämie und vermindert so den Sauerstofftransport ins Wundgebiet, wodurch lokal mehr oder weniger ausgeprägte hypoxische Zonen entstehen. Aus diesen Gebieten werden dann Substanzen freigesetzt, die fortlaufend die Produktion von katabol wirkenden Zytokinen stimulieren und so die Heilungstendenz verschlechtern. Eine Korrektur der Anämie, die Verordnung von Antioxydantien und eine Optimierung des Ernährungsstatus des Patienten üben hier einen signifikant positiven Effekt auf die Wundheilung aus. lung bereits verzögern. Eine optimale Vitaminversorgung ist daher in der Wundheilung von großer Bedeutung. ½ Vitamine des B-Komplexes, insbesondere Vitamin B12, beteiligen sich beispielsweise an der KollagensynPatientenbeispiel Dekubitus Heilungsverlauf bei einer 83-jährigen Patientin mit großem sakralem Dekubitus Kategorie III [1] 17. Juli – sakraler Dekubitus mit wenig bis fehlender Heilungstendenz: kein Granulationsgewebe; Ulkusränder unterminiert; keine Reaktion im Ulkusrand. Ernährungsparameter: Albumin 17 g/L; Zink 8.0 mmol/L; Lymphozyten 529. [2] 24. Juli – Heilungstendenz etwas besser: wenig rotes Granulationsgewebe; keine Epithelaussprossung aus dem Ulkusrand; unterminierter Ulkusrand. Ernährungsparameter: Albumin 20 g/L; Lymphozyten 908/mm3. [3] 25. August – das Ulkus ist kleiner geworden und die Heilungstendenz besser: mehr als 80% der Wundfläche zeigt sauberes, rotes Granulationsgewebe; Ulkusränder nicht mehr unterminiert, sondern abgeflacht; Epitheleinsprossung über die flachen Ulkusränder auf die Ulkusfläche. Ernährungsparameter: Albumin 28 g/L; Lymphozyten 1309/mm3. Der Wechsel von katabol auf anabolen Metabolismus ist eingetreten. Darauf weist das normale CRP hin. IL-1 und IL-6 sind zu diesem Zeitpunkt nicht mehr oder nur wenig erhöht. Bei der jetzt normalisierten Heilungstendenz darf die geplante chirurgische Operation am Ulkus (Rotationslappenplastik) ohne Befürchtung einer postoperativen Wundheilungsstörung durchgeführt werden. Bedarf an Nährstoffen bei Krankheit und Katabolismus im Alter – pro Kilogramm Körpergewicht und pro Tag Bedarf an Nährstoffen pro Tag beim Patientenbeispiel (Körpergewicht: 70 kg) Kalorien 30 bis 40 kcal 2800 kcal Proteine 1,5 g 105 g Fette 1,0 g 70 g Vitamin C 10 mg 700 mg Calcium 15 mg 1000 mg Zink 0,5 mg 35 mg in organischer Form Vitamin B12 Substitution parenteral, Zieldosis 10 mg gesamt oder 0,15 mg pro kg Körpergewicht innerhalb eines Monats; Intervall: alle 3 Tage 1 mg i. m. Polyvitaminpräparat1 hochdosiert 3-mal täglich dosiert2 Flüssigkeit 2000 ml, falls keine Kontraindikationen bestehen 1 2 3 1) Im Katabolismus werden viele Vitamine und Spurenelemente via Urin wegen mangelhafter Speicherfähigkeit des Organismus ausgeschieden. Es sind daher weitere, wegen fehlender Laboruntersuchungen zwar nicht nachgewiesene Defizite zu erwarten. Um diese zu beheben, empfiehlt sich die Verordnung eines Polyvitaminpräparates. 2) Zur Behebung von weiteren Defiziten, welche bei Katabolismus zu erwarten sind, aber aus Kostengründen nicht durch Laboruntersuchungen jeweils nachgewiesen werden. Quelle: Prof. Dr. med. Walter O. Seiler, ehem. leitender Arzt, Kantonsspital Basel WISSEN 6 HARTMANN WUNDFORUM 2 / 2023

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