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„Es ist einfach ein toller Beruf“

Die 22-jährige Helena Dyck ist Kranken- und Gesundheitspflegerin und weiß genau, was sie in ihrem Beruf erreichen möchte und ist innerhalb und außerhalb der Klinik dafür im Einsatz. Ihr Engagement wurde jetzt mit dem Titel „Botschafterin der Pflege“ ausgezeichnet.

von der HARTMANN Online-Redaktion 04.09.2019

Schlaganfall, Epilepsie, MS, ALS, Huntington oder Parkinson-Erkrankung und andere neurologische Krankheiten – die Patienten in der Neurologie der Universitäts- und Rehabilitationskliniken Ulm stellen das rund 30-köpfige Pflegeteam auf der Stroke Unit vor täglich neue Herausforderungen.

Mittendrin auf der Überwachungsstation mit ihren 27 Betten ist die 22-jährige Helena Dyck. Seit drei Jahren ist sie auf dem Ulmer Eselsberg tätig und kann bereits sechs Jahre Berufserfahrung aufweisen.

„Ich hatte mich schon mit 15 beworben“, erinnert sie sich an ihre Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpflegerin in der Sana Klinik in Biberach. „Eigentlich nahmen die nur Azubis, die im 2. Lehrjahr volljährig wurden und damit nachts arbeiten konnten. Es gab dann aber eine Ausnahme: Ich konnte mit 16 starten und absolvierte meine Nachtschichten erst im 3. Lehrjahr, als ich 18 war.“

Nach ihrer Ausbildung wechselte sie nach Ulm und hatte großes Glück, wie sie sagt: „Ich kam gleich auf die Überwachungsstation und konnte bereits nach einem Jahr eine Fachweiterbildung zur Stroke Nurse machen, also eine Spezialisierung auf die Behandlung von Patienten mit einem Schlaganfall.“

Bestens überwacht

Helena Dyck auf Station
Auf der Stroke Unit der Universitäts- und Rehabilitationskliniken Ulm ist modernste Technik im Einsatz, die Helena Dyck kompetent im Griff hat.

Die werden auf ihrer Station bestens betreut. Alle Bettplätze sind mit einer Vielzahl von Sensoren z. B. für die Herzfrequenz, den Blutdruck oder die Sauerstoffsättigung ausgestattet, die im Stationszimmer überwacht werden.

„Schwerpunkt ist die Erstversorgung von Schlaganfallpatienten, die nach ersten Tests in der Notaufnahme meist rund 72 Stunden überwacht werden, bevor sie auf die Normalstation verlegt werden“, erzählt Helena. Während dieser Zeit können auf der Station, die dank ihrer speziellen Zertifizierung ein großes Einzugsgebiet hat, alle notwendigen Maßnahmen durchgeführt werden.

Vielfältiges Engagement

Helena Dyck im Unterricht
Die Schülerinnen und Schüler an Dycks ehemaliger Realschule in Riedlingen lauschten interessiert ihren Erklärungen zu den Aufgaben und der täglichen Arbeit einer Gesundheits- und Krankenpflegerin.

Eigentlich könnte man denken, Helena Dyck sei damit schon ausgelastet, aber sie ist auch neben ihrem Job ehrenamtlich engagiert.

An ihrer alten Realschule in Riedlingen, gute 50 Kilometer südwestlich von Ulm, organisierte sie einen „Proud to be a nurse“-Tag und berichtete über die Aufgaben und die spannende Arbeit als Gesundheits- und Krankenpflegerin und andere Berufe aus der Gesundheitsbranche.

„Die Klasse war dann auch zu Besuch in der Klinik und schaute sich alles live vor Ort an“, ergänzt Helena Dyck. Das Event sprach sich rum und zwischenzeitlich war sie auch an weiteren Schulen wie dem Sophie-Scholl-Gymnasium in Ulm zu Gast – und das mit Erfolg: „Überall stieß ich auf großes Interesse.“

Helena meets Berlin

Helena Dyck bei Preisverleihung
Mit ihrer Pflegedienstleiterin Helene Maucher reiste Helena Dyck zur Preisverleihung nach Berlin – in der Mitte Staatssekretär Andreas Westerfellhaus, der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung.

All dies wurde auch von ihrer Stations- und Pflegedienstleitung registriert. Und so meldeten sie Helena Dyck – heimlich und ohne deren Wissen – für die Kategorie „Botschafter(in) der Pflege“ des Deutschen Pflegepreises an.

„Mit dieser Auszeichnung soll die Arbeit von engagierten Pflegekräften besonders gewürdigt werden“, heißt es in den Statuten des Preises und mit großer Einigkeit sprach sich die Jury unter der Leitung von Franz Wagner, dem Präsidenten des Deutschen Pflegerates, für Helena Dyck aus.

Die Jury lieferte auch gleich die Begründung mit: Helena sei erstens trotz ihres jungen Alters bereits eine Leistungsträgerin ihrer Station. Sie engagiere sich zweitens für den Nachwuchs und strebe drittens ein berufsbegleitendes Studium an, um sowohl als Pflegekraft zu arbeiten, als auch zugleich als Dozentin künftige Generationen auszubilden.

Schon bei der Preisverleihung im März in Berlin erregte die junge Krankenschwester viel Aufmerksamkeit. „Ich hatte keine Rede vorbereitet und dachte, ich bedanke mich nur kurz. Aber dann hielten alle Preisträger vor mir eine kurze Ansprache und so improvisierte ich dann kurz entschlossen ein bisschen“, berichtet sie von ihren Erlebnissen.

Die „Improvisation“ kam hervorragend an und Helena Dyck erhielt viel Lob für ihre Worte. Ein Grund dafür war sicher, „dass ich ehrlich und authentisch sein wollte und auch gleich die Chance nutzte, den Leuten ein klein wenig den Kopf zu waschen“, erinnert sie sich.

„Ich weiß in meinem Alter sicher nicht alles und will niemanden belehren, aber ich möchte unseren Beruf attraktiver machen, weil jeder irgendwann einmal Pflege braucht“, beschreibt Helena ihr Engagement.

Aktuell überschatte das Bild des Pflegenotstands den Beruf und sein Image komplett. „Natürlich ist es einfacher zu meckern“, meint sie, „aber es ist ja auch kein großer Aufwand, selbst etwas zu tun, wie in die Schulen zu gehen und zu berichten.“

Und dort ist dann die Überraschung groß, was sich hinter dem Job alles verbirgt. „Ich frage oft, welche Berufe im Krankenhaus die Jugendlichen kennen“, sagt Helena. Arzt, Schwester, Putzfrau sind dann meist die einzigen Antworten. Und auf die Frage, was die Schwester so mache, heißt es, „dem Arzt helfen und putzen“.

„Dass man Pflege auch studieren und dann leitende Positionen besetzen kann und es auch viele andere Berufe gibt, ist vielen neu.“

Nominiert für die Nationalmannschaft

Seit ihrem Auftritt in Berlin ist Helena Dyck als Gesprächspartnerin gefragt. Sie war zu Gast im Bundestag und im Landtag von Baden-Württemberg, führte Gespräche mit Politikern und z. B. mit der Deutschen Schlaganfallgesellschaft.

„Ich sage, was man aus meiner Sicht verbessern könne“, fasst sie ihren Ansatz zusammen, „und möchte dabei auch ein Dolmetscher zwischen der Jugend und den Erwachsenen sein.“

Im Dezember wird sie ein einwöchiges Praktikum beim Bundestagsabgeordneten und gelernten Physiotherapeuten Roy Kühne absolvieren, „denn ich kenne mich in politischen Dingen noch nicht so gut aus und möchte mehr erfahren, um mich sicherer zu fühlen“.

Bereits davor startet im Oktober ihr Bachelor-Studium „Pflege“ an der Hochschule Ravensburg-Weingarten, das sie parallel zu ihrem Job absolvieren möchte. Und auch die Nationalmannschaft Pflege Deutschland wurde auf sie aufmerksam und lud sie ein. Das Team nimmt am weltweiten Wettbewerb World Skills teil, einem Leistungsvergleich nicht-akademischer Berufe für junge Leute bis 25. Schauspieler stellen Patienten und konkrete Pflegefälle dar, die dann von den Teilnehmern gelöst werden müssen. Ab dem nächsten Jahr ist Helena beim 10-köpfigen Team mit dabei.

Aber auch ihren Botschafterjob führt sie natürlich weiter und wird für Veranstaltungen von ihrem Arbeitgeber teilweise freigestellt und für Projekte mit einem Budget ausgestattet.

Energie für zwei

Hat sie keine Angst, sich zu viel aufzuhalsen? Da winkt sie ab. „Mein Team unterstützt mich und auch meine Freunde sagen, dass ich ruhiger, erwachsener und ausgeglichener sei und meine Energie jetzt besser auf den Tag verteilt hätte“, erzählt sie lachend.

Ebenso aktiv wie im Beruf ist sie auch in der Freizeit: auf Reisen, beim Sport – sie nahm unter anderem am Halbmarathon des Ulmer Einsteinlaufs teil – oder bei regelmäßigen Treffen mit ihren Freunden. Und natürlich bleibt auch Zeit auch für ihren Mann Daniel, der sich beruflich mit der Produktion von Kränen beschäftigt und damit oft eine ganz andere Perspektive beisteuert.

Der Preis „Botschafter der Pflege“ wurde von der BVUK. Gruppe gestiftet, einem Experten für die betriebliche Altersvorsorge. „Botschafter der Pflege“ ist dabei eine der fünf Kategorien des Deutschen Pflegepreises. Der Preis in der Kategorie Praxis wird von HARTMANN unterstützt. Weitere Kategorien sind „Freund der Pflege“ und „Nachwuchs“ sowie der Pflegeinnovationspreis.