Arzt überreicht Pillen an Patienten

Antibiotika-Tag und Weltantibiotika-Woche - 18. bis 24. Nov. 2021

Bewusstsein verbreiten - Resistenzen stoppen!

Droht ein post-antibiotisches Zeitalter?

Schon lange warnen Expert/innen davor, dass uns in der Zukunft ein post-antibiotisches Zeitalter bevorstehen könnte, in dem die Menschheit nicht mehr auf die Wirksamkeit von Antibiotika zählen kann. Für die globale Gesundheit wäre das eine Katastrophe, denn selbst alltägliche Infektionen könnten plötzlich lebensbedrohlich werden. Schon jetzt gehen weltweit jedes Jahr etwa 700.000 Todesfälle1) auf das Konto resistenter Organismen, und diese Zahl könnte dramatisch steigen.

Ob und wann dieses Schreckensszenario jedoch eintritt, ist von vielen Faktoren abhängig:

  • Wie umsichtig setzen die Menschen Antibiotika zukünftig ein?
  • Wie schnell verbreiten sich resistente Keime?
  • Wie zügig geht die Entwicklung neuer Wirkstoffe voran?

Europa und die Welt: Zwei Kampagnen – ein Ziel

Grundsätzlich haben der 2008 vom European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) ins Leben gerufene EAAD und die 2015 von der Weltgesundheitsorganisation WHO initiierte WAAW ein gemeinsames Ziel: durch Aufklärung den umsichtigen Einsatz von Antibiotika fördern und dadurch Antibiotika-Resistenzen vermeiden. Während der EAAD jedoch nach wie vor auf Antibiotika – also Medikamente gegen bakterielle Infektionen – fokussiert, hat die WAAW ihre Botschaft seit letztem Jahr auch auf Medikamente gegen Viren, Pilze und Parasiten ausgeweitet (sog. Antimicrobials).
Illustration Antibiotikatag
Illustration Antibiotikawoche

Werden nur Bakterien gegen Antibiotika resistent?

Nein, Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten – sie alle sind in der Lage, resistent gegen antimikrobielle Medikamente zu werden. Dieser Vorgang ist natürlich, doch wird er vor allem durch den missbräuchlichen Einsatz der Medikamente stark vorangetrieben.

Welche Rolle spielt mangelhafte Hygiene?

Mangelhafte Hygiene trägt dazu bei, dass sich resistente Erreger überhaupt ausbreiten können.

Welche Bakterien machen große Sorgen?

Bei den Bakterien bereiten global betrachtet unter anderem pathogene E. coli, Klebsiellen und MRSA, aber auch die Erreger von Tuberkulose und Gonorrhoe („Tripper“) Sorgen. Bakterien können entweder gegen bestimmte Antibiotika von vornherein unempfindlich sein, weil sie die erforderliche Zielstruktur nicht besitzen (z. B. die Zellwand) oder resistent werden, weil sie durch Mutationen oder den Austausch von Erbmaterial mit anderen Erregern plötzlich in der Lage sind, die Wirkstoffe enzymatisch abzubauen (z. B. durch β-Laktamasen) [1]. E. coli als häufigster Verursacher von Blutstrominfektionen weltweit ist laut eines WHO-Berichts in ärmeren Ländern bereits zu beinahe 60 % resistent gegen sog. Reserve-Antibiotika [2].

Und bei Viren und Pilzen?

Aber auch bei den Viren gibt es zahlreiche Beispiele von Resistenzen gegen antivirale Medikamente, wie am Fall von HIV und auch Influenza [3] deutlich wird. Von großer Bedeutung für tropische und subtropische Regionen sind darüber hinaus resistente Parasiten der Gattung Plasmodium, die eine Malaria-Behandlung erheblich erschweren [2]. Bei den Pilzen, gegen die ohnehin nur wenige antimykotische Wirkstoffklassen existieren, sind zunehmende Azol-Resistenzen bei Candida und Aspergillus klinisch problematisch [4].

Darstellung von Bakterien
Pilze unter dem Mikroskop
Viren unter dem Mikroskop

Was kann man dagegen tun?

Um der weiteren Zunahme antimikrobieller Resistenzen und deren dramatischen Folgen zukünftig vorzubeugen, ist vor allem ein korrekter und umsichtiger Umgang mit diesen Medikamenten elementar. So müssen beispielsweise Dosierung, Behandlungsbeginn und –dauer stimmen und das Wirkspektrum zum jeweiligen Erreger passen. Außerdem gilt es natürlich, Infektionen möglichst generell zu vermeiden, um die Verbreitung resistenter Erreger zu verhindern – z. B. durch hygienische Maßnahmen und Impfungen.

Wie wirkt sich die COVID-19-Pandemie langfristig auf Resistenzen aus?

Inwiefern sich die COVID-19-Pandemie langfristig auf Resistenzen auswirkt, wird momentan ebenfalls diskutiert [5], kann aber erst abschließend beurteilt werden. Die WHO befürchtet zumindest einen Pandemie-bedingt gehäuften Einsatz antimikrobieller Medikamente und dadurch eine höhere Gefahr der Resistenzbildung. Hoffnung macht hingegen eine gemeindebezogene britische Studie, die eine nachhaltige Verringerung von Antibiotika-Verschreibungen seit dem ersten Lockdown bis zum Jahresende 2020 beobachtete [6] – auch wenn die Gründe dafür unklar bleiben. Zudem wurden dem Robert Koch-Institut (RKI) für das Jahr 2020 weniger Fälle Antibiotika-resistenter Bakterien gemeldet als erwartet, was – falls nicht einer versäumten Übermittlung geschuldet – auf weniger nosokomiale Infektionen in diesem Zeitraum hinweisen könnte. Doch Grund zum Aufatmen besteht beim Thema Resistenzen nicht, denn soeben fanden Forschende in Deutschland Bakterien, die bereits gegen eine neue, noch gar nicht routinemäßig eingesetzte Kombination zweier antimikrobieller Substanzen resistent sind.

Kampf gegen MRE gelingt nur gemeinsam

Illustration Antibiotika

Fest steht auf jeden Fall, dass der Kampf gegen multiresistente Erreger (MRE) nur gemeinschaftlich gelingen kann. Helfen auch Sie mit, das Bewusstsein dafür zu steigern.